Category: Gemeindepolitik

04Mrz
GemeindepolitikSchule

Es ist nicht alles schlecht

Die Neue Mittelschule ist kein Erfolg und hat in wichtigen Bereichen die Erwartungen nicht erfüllt. Kein Wunder, weil wesentliche Bestandteile des Konzepts nicht umgesetzt wurden. Meine Erfahrungen sind dennoch nicht nur negativ.

In wenigen Jahren soll die Neue Mittelschule flächendeckend alle Hauptschulen abgelöst haben. Das klingt nach einer gefährlichen Drohung, wenn man die heutigen Berichte verfolgt, in denen sich die Medien an der Evaluierung dieser Schulform abarbeiten (Beitrag von Stefan Kappacher im Ö1-Morgenjournal oder Beitrag im Standard).

mittelschule laabentalMeine Erfahrungen sind anders. Ich beziehe sie aus den letzten fünf Jahren, in denen ich als Obmann eine Mittelschule in NÖ verwaltet habe. 160 Schüler/innen, ca. 450.000 Euro Jahresbudget. Diese Schule war eine der ersten Mittelschulen in NÖ, die die Umstellung von der Hauptschule zur NMS gewagt hat. Sie wird von drei Gemeinden getragen, die – mit Ausnahme des pädagogischen Personals – alles bezahlen, vom Gebäude, über die Möblierung, bis hin zur EDV-Ausstattung. 85 % der Absolventen der örtlichen drei Volksschulen besuchen danach diese Mittelschule.

Ich habe eine Schule kennengelernt, in der engagierte Lehrer sich nach Kräften mühen, das Konzept der Neuen Mittelschule zu leben. Teamteaching ist an dieser Schule ein wichtiger Teil, ebenso die Förderung schwächerer Schüler in “Lernstudios” am Nachmittag, eine Art institutionelle Nachhilfe. Das Angebot an freiwilligen Zusatzaktivitäten ist groß, es gibt “Darstellendes Spiel”, eine Schulband und sportliche Möglichkeiten ohne Ende.

Probleme in der Umsetzung der vorgegebenen Konzepte gab es natürlich trotzdem haufenweise. Und damit sind wir bei einem der Gründe, warum die Evaluierungsergebnisse so schlecht sind. Schuld ist – meiner Ansicht nach – nicht ein falsches Konzept. Die Idee ist richtig, nur hat man den Schulen nicht jene Instrumente gegeben, um sie gut umzusetzen. Ein Beispiel: Teil der Sache war eigentlich, dass Hauptschullehrer und Gymnasiallehrer gemeinsam den neuen Lehrerstock an den NMS bilden. Die Realität an unserer Schule ist: Es gibt einen einzigen Gymnasiallehrer, der Rest des Personals ist ident mit jenem vor der Umstellung. In unserem Fall ist das nicht schlimm, wir haben ausgezeichnete Lehrer und einen guten Schulleiter. Vereinbart war es trotzdem anders, gehalten wurde dieses Versprechen nicht.

Schwierig ist auch – nur das ist kein Problem der NMS – die de facto nicht vorhandene Personalhoheit der Schulleiter/innen. Sie können sich ihre Lehrer nicht aussuchen, am Ende trägt das auch einen Teil zu den Qualitätsproblemen in den heimischen Schulen bei.

Ein furchtbarer Kampf war und ist die abgestufte Notengebung in der NMS. Bis zu sieben verschiedene Noten gibt es für die Schüler, weil unterschieden wird in “grundlegendes Wissen” und “vertiefendes” Wissen. Es ist unübersichtlich, kein Mensch kennt sich mehr aus, was nun was bedeuten soll. Für viele Lehrbetriebe oder weiterführende Schulen ist diese Art von Notengebung schwer zu interpretieren.

Ich glaube trotzdem, dass die Neue Mittelschule ein Erfolg ist. Die Einschränkung ist aber: Sie ist dort ein Erfolg, wo davor die Hauptschulen auch schon gute Bildungsqualität geboten haben. Sie ist dort ein Misserfolg, wo die Hauptschulen davor das Sammelbecken der schwierigen Bildungskarrieren und sozialen Milieus waren, im wesentlichen also in den Ballungsräumen. Dort schickt jeder, der etwas auf sich hält, sein Kind nach wie vor in ein Gymnasium, die Neuen Mittelschulen sind nach wie vor Sammelbecken für Problemfälle.

Mein Fazit ist banal: Es nutzt halt nix, wenn man nur die Türschilder austauscht und ein paar Behübschungen vornimmt. Im ländlichen Raum funktionieren die Neuen Mittelschulen ganz gut, weil sie davor auch ganz gute Hauptschulen waren. Der anschließende Besuch einer Oberstufe oder einer weiterführenden Schule ist in der Regel kein Problem. Für die Ballungsräume wird man sich etwas überlegen müssen. Oder aber zumindest jene Versprechungen halten müssen, die das Konzept der Mittelschulen ursprünglich vorgesehen hat.

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