07Mrz
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Kinderbetreuung rekommunalisieren?

Vor mehr als einem Jahr haben wir in Altlengbach beschlossen: Wir rekommunalisieren die Kinderbetreuung. Mit Juni 2016 wurde diese Neustrukturierung gestartet, jetzt können wir – zumindest übers erste eigenständige Halbjahr – Bilanz ziehen.

Neben den klassischen Kindergärten (für 2,5 bis 6jährige Kinder) gibt es in Altlengbach seit ca. zehn Jahren eine Krabbelstube, also eine Betreuungseinrichtung für Kleinkinder zwischen einem und 2,5 Jahren. Fast gleich lange besteht eine Horteinrichtung in der Volksschule, in der Schulkinder am Nachmittag betreut werden. Beide Betreuungseinrichtungen (Krabbelstube und Hort) wurden von einem privaten Dienstleister organisiert. Die Rolle der Gemeinde war es, die entstandenen Jahresdefizite abzudecken. Und genau dort hat sich die Problemlage in den letzten Jahren deutlich verschärft. Die Defizite hatten ein Ausmaß angenommen, das uns mehr und mehr darüber nachdenken ließ, wie wir das in Zukunft anders lösen könnten. 70.000 Euro Jahresabgang für die Krabbelstube, trotz Elternbeiträgen von rund 325 Euro pro Monat und Kind (ohne Essen).

Langer Weg zur neuen Organisationsform

In der Planungsphase gab es viele verschiedene Überlegungen. Direkt als Gemeinde organisieren. Wäre möglich gewesen, hätte aber die beiden anderen betroffenen Gemeinden ausgeschlossen. Im Rahmen des Mittelschulverbandes organisieren. Wäre nur zum Teil gegangen, weil ein Schulverband nur schulische Dinge – also keine Kleinkindbetreuung – organisieren darf. Einen eigenen Verband gründen. Auch das wäre möglich gewesen, ein neuer Verband kann seine Tätigkeit aber nur mit jeweiligem Jahresbeginn des Folgejahres aufnehmen. Am Ende blieb nur noch eine Variante übrig: Die drei Gemeinden gründen einen Verein, der diese Aufgabe ausführt. So haben wir das dann auch gemacht, der Verein „Kinderbetreuung Laabental“ ist nun Träger und Betreiber der beiden bestehenden Betreuungseinrichtungen sowie der neu gegründeten Nachmittagsbetreuung in der Mittelschule. Insgesamt sieben Mitarbeiterinnen sind nun im Verein angestellt und können wechselweise und nach Bedarf in allen Einrichtungen eingesetzt werden.

Teure Overhead-Kosten bei privaten Dienstleistern

Warum war der private Dienstleister teuer? Die Antwort liegt vorwiegend in den Overhead-Kosten der Organisation. Für Verwaltung und pädagogisches Konzept wurde ein prozentueller Wert der Personalkosten angenommen. Dieser lag am Ende bei bis zu 15 Prozent der Personalkosten. Dazu kamen Reisespesen des Dienstleisters und andere kleinere Beträge. In der neuen Variante haben wir eine Kollegin am Gemeindeamt angestellt, die vorwiegend für die Gemeinde tätig ist, 15 Wochenstunden ihrer Arbeitszeit allerdings für den Verein. Dieser refundiert die Kosten dafür an die Gemeinde. Die Rolle der Leiterinnen jeder Einrichtung wurde deutlich gestärkt. Alle sind mit Laptops ausgestattet worden und können wichtige Teile der Verwaltung der Kinder nun selbst am Standort erledigen. Die Eltern haben mehrheitlich Abbuchungsaufträgen zugestimmt und bekommen nur noch einmal pro Monat eine Rechnung ausgedruckt.

Drei Gemeinden teilen sich Investitionen und Betrieb

Die Kosten für alle drei Einrichtungen werden in einem eigenen Voranschlag (und Rechnungsabschluss) ausgewiesen, für alle drei Standorte jeweils extra. Die beteiligten Gemeinden teilen sich die Kosten. Investitionskosten werden nach Bevölkerungszahl geteilt, der laufende Betrieb je nach Anzahl der betreuten Kinder und deren Herkunftsgemeinde. Im Steuerungsgremium sind die Bürgermeister aller drei Gemeinden vertreten und treffen – gemeinsam mit dem Vereinsobmann und -vorstand – die wesentlichen Entscheidungen.

In der schulischen Nachmittagsbetreuung liegen die maximalen Kosten für Eltern bei 108 Euro (ohne Essen) für die Vollbetreuung. Rund 60 Euro pro Kind/Monat müssen die Gemeinden zuschießen. In der Krabbelstube liegen die maximalen Kosten für Eltern bei 325 Euro pro Monat (ohne Essen), hier muss die Gemeinde pro Kind und Monat rund 450 Euro zuschießen. Der Grund für diesen großen Unterschied liegt in der deutlich kleineren Gruppengröße bei Kleinkindern, dem höheren Personaleinsatz und der Tatsache, dass eine Schulbetreuung natürlich nur am Nachmittag (und nicht ganztägig) nötig ist. Für die Ferienzeiten wird jeweils der Betreuungsbedarf erhoben und auf dieser Basis entschieden, ob die Betreuungseinrichtungen geöffnet werden. Die Krabbelstube hat im Grunde das ganze Jahr geöffnet, nur im Sommer gibt es eine Woche fixe Schließzeit. In den schulischen Einrichtungen ist der Bedarf in den Ferien im Normalfall deutlich geringer, hier gibt es drei fixe Schließwochen im Sommer. Auch im Kindergarten gibt es im Sommer drei fixe Schließwochen (das ändern wir eventuell bald), die restlichen Ferienzeiten werden nach Bedarfserhebungen abgedeckt.

Erste Bilanz ist positiv und bestärkt uns

In Summe ist unsere Erfahrung nach einem Halbjahr Rekommunalisierung vorwiegend positiv. Der Aufwand für die Umstellung war enorm, zum Glück haben Gemeindeverwaltung und Eltern ideal mitgespielt. Wir haben die Steuerungshoheit wieder zurückgewonnen, auch haben wir damit sieben Arbeitsplätze wieder bei uns in der Gemeinde angemeldet, die Mitarbeiterinnen waren davor zentral beim privaten Dienstleister – also nicht in unserer Gemeinde – angemeldet. Ich kann nicht sagen, ob dieser Weg für andere Gemeinden richtig ist, für uns scheint er richtig zu sein. Vielleicht geht aber so etwas aber auch nur in kleinen, einigermaßen überschaubaren Einheiten.

In wenigen Wochen werden wir auch mit dem neuen Gebäude fertig sein, das wir für die Krabbelstube errichten (das hätten wir auch für einen externen Dienstleister errichtet). Sie war mehr als zehn Jahre lang provisorisch in der Volksschule untergebracht, jetzt bekommt sie bald ein eigenes Haus.