Tag: Politik

21Feb
Allgemein

Eine Frage der Ehre

Herr Rudi hat kürzlich einen Orden bekommen. Auch Martin Schulz hat einen Orden bekommen, einen sehr hohen sogar. Herr Rudi ist der inzwischen pensionierte Kellner der Parlamentskantine, Herr Schulz ist Vorsitzender des Europäischen Parlaments. Beide Herren wurden für “ihre Verdienste um die Republik Österreich” geehrt. So weit, so schlecht, denn beide Ehrungen sind Unfug.

Ich finde, dass man Orden generell abschaffen könnte, es gibt g’scheitere Formen Wertschätzung zu zeigen. Aber sei’s drum, vermutlich werden Orden nicht abgeschafft, also sollte jene, die sie vergeben, die Sache wenigstens einigermaßen ernst nehmen und nicht Schindluder damit treiben. Die Liste der Empfänger des “Goldenen Rathausmannes” ist dafür auch ein gutes Beispiel. Magic Christian, Freddy Quinn oder Pierre Cardin haben ihn bekommen. Aber auch viele, die wirklich Großes für Wien geleistet haben. Verwirrend.

tumblr_inline_nk4dmbUBMZ1t3wl7uIch kenne weder Herrn Rudi, noch Herrn Schulz. Ich bin aufmerksamer Medienkonsument, auch ein politischer Mensch. ich sehe in beiden Fällen nicht den geringsten Grund, wieso man sie für Verdienste um die Republik Österreich auszeichnen sollte. Das ist schlichtweg lächerlich. Der Eine hat über Jahrzehnte hinweg im Parlament Gäste bedient. Ein ehrenwerter Beruf und wahrscheinlich nicht immer leicht. Genau, wie ein paar Millionen anderer Arbeitsstellen im Land. Der Andere ist auf europäischer Ebene ein mächtiger und wichtiger Mann. Auch gut. Dafür wird er fürstlich bezahlt und überall hofiert. Ich beneide ihn nicht, nicht eine Minute. Ich möchte nicht sein Leben leben müssen. Aber herausragende Verdienste um die Republik Österreich? Mit solchen Verleihungen entwertet man den Gedanken, der hinter Ehrungen steht.

Nun kann man sagen: War halt immer so, dass hochrangige Politiker sich gegenseitig Orden verleihen. Mag sein. Richtig ist es trotzdem nicht, die beiden genannten Fälle nenne ich nur stellvertrend für viele andere. Minister etwa bekommen – soweit ich weiß – nach einigen Jahren Amtszeit fix einen Orden, da ist sogar geregelt welchen sie nach wievielen Jahren im Amt kriegen.

Ehrungen wurden erfunden, damit die Gesellschaft Menschen besondere Wertschätzung ausdrücken kann und damit es dafür ein sichtbares Zeichen gibt. Das ist von der Idee her nicht schlecht, ich kenne auch viele Ehrungen, die sowohl den Menschen, die sie bekommen, als auch jenen, die sie verleihen, etwas bedeuten. Auf kommunaler Ebene gibt es Ehrenbürgerschaften und andere Auszeichnungen. Es gibt Sportlerehrungen für besondere Leistungen, auch im kleinen Rahmen. Das sind legitime Dinge, wenn man sie nicht inflationär oder willkürlich handhabt. In den Kommunen entscheidet darüber immerhin meist der Gemeinderat, das ist zumindest irgendeine demokratische Vorgangsweise. Bei Bundesauszeichnungen weiß ich nicht, wer das entscheidet. Eine Kommission vermutlich oder eine Ordensverleihungsstelle.

Ich weiß, dass man für eine Ordensverleihung von irgendjemandem vorgeschlagen werden muss. Und auch, dass dieser Vorschlag begründet werden muss. Vielleicht würde es helfen, die Einreicher und deren Begründungen transparent zu machen. Damit sich jeder, der das will, ein Bild machen kann, ob diese Auszeichnung gerechtfertigt ist.

Insgesamt wünsche ich mir, dass diese lächerliche Willkür aufhört. Es gibt so viele Menschen, die außerhalb ihrer beruflichen Verpflichtungen herausragende Leistungen und großes Engagement erbringen. Sie verdienen tägliche Wertschätzung und großen Respekt. Gelegentlich werden sie sogar auch ausgezeichnet. Immerhin. Aber mit jeder sinnlosen und ungerechtfertigten Auszeichnung schmälert man die Ehrung jener, die wirklich bemerkenswerte Leistungen erbracht haben.

Vielleicht denkt mal darüber jemand nach. Wahrscheinlich aber eher nicht.